Ja mit Bedingungen
Christoph Heim
Morgen wird der Baselbieter Landrat aller Wahrscheinlichkeit nach der 17-Millionen-Franken-Subvention für das Theater Basel zustimmen. Damit können die Zentrumsleistungen im Bereich des Theaters zu einem guten Teil abgegolten werden. Und die Baselbieter Theatergemeinde wird mit einem deutlich besseren Gewissen ins Theater pilgern. Mit der Landratsabstimmung ist die Sache aber noch nicht besiegelt. Auch das Volk wird über die Vorlage abstimmen dürfen. Und da nur ein Bruchteil der Baselbìeter das Theater besucht, stellt sich die Frage, ob eine Bevölkerung, die ihren Kulturbedarf aus einer Vielzahl von Quellen stillt, gerade für das Theater Base! so viel Geld locker machen w'il1. Letztlich geht es also darum, ob die Baselbieter das Theater Basel als eine für die Region zentrale Institution betrachten.
Das Schauspiel verhält sich zur Oper wie der protestantische Gottesdienst zur katholischen Messe.
Georges Delnon, der Theaterdirektor, tut viel dafür, dem Theater Basel ein im Vergleich zu seinem Vorgänger weniger res Image zu verpassen. Er liess seine Künstler zweimal im basellandschaftlichen Augusta Raurica aufspielen. Er inszeniert «Aida» als Fernsehoper auf dem Rhein. Er spornte seine Oper zu Höchstleistungen an, die dafür 2009 den Titel «Opernhaus des Jahres» erhielt. Aber reicht diese Imagekorrektur? Müsste das Basler Theater nicht wieder zur Bühne werden, die nicht nur ein traditionalistisches Publikum provoziert wie jüngst in der «Aida» von Calixto Bieito, sondern auch die wichtigen gesellschaftlichen Fragen der Bürger dieser Region verhandelt? Bedenkt man, dass sich das Schauspiel zur Oper verhält wie der protestantische Gottesdienst zur katholischen Messe, wirkt es befremdlich, dass im protestantischen Basel ausgerechnet das Schauspiel das Dasein eines Mauerblümchens fristen muss. Es geriet in den letzten Jahren jedenfalls trotz ein paar schönen Inszenierungen beinahe in Vergessenheit. Es gelingt ihm nicht, seine Besucherzahlen zu steigern. Es mischt sich, wenn überhaupt, nur flüsternd in die laufenden Debatten ein. Es wird seit Jahren mit keiner Inszenierung zum Stadtgespräch. Die Baselbieter müssen, wenn sie das ändern wollen, ihr Ja zu den Millionen mit der Forderung nach einem Theater verknüpfen, das mit seinen Inszenierungen wieder zum Gesprächsthema in der ganzen Region wird und somit Besucher in Scharen anzieht.
christoph.heim@baz.ch
Am 22.9.2010 14:45 Uhr schrieb "Perrig Elias"
Sehr geehrter Herr Heim
Mit grossem Zorn habe ich Ihren heutigen Kommentar zur Theater-Subventionsdebatte zur Kenntnis genommen. Seit 4 Jahren wiederholen Sie gebetsmühlenartig immer denselben Generalangriff auf das Schauspiel in Basel. Langsam kennen wir ihn auswendig. Ich habe Sie seit langer Zeit nicht mehr im Schauspiel gesehen. Setzen Sie sich als Ressortleiter Kultur eigentlich überhaupt mit dem auseinander, was wir machen? Sie fordern vom Schauspiel, dass es sich in aktuelle Debatten einmischt oder sie lostritt. Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass auch Sie es sind, der uns zum „Flüstern“ verurteilt, wenn Sie die inhaltlichen Auseinandersetzungen, die wir initiieren, einfach ignorieren (zum Beispiel wenn Sie über Veranstaltungen wie „Zuckerwelten“, die sich auf höchstem Niveau mit dem Stand der Wissenschaften auseinandersetzen, schlichtweg gar nicht berichten)?
Werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf diese Saison, die mit „Graf Öderland“ und „Orpheus descending“ einen fulminanten Start hatte, unsere Zuschauer begeistert hat und (übrigens auch in der BAZ…) sehr gut rezensiert wurde. Ignorieren Sie das einfach? Eine „Stadtzeitung“ müsste doch eigentlich der Motor des „Stadtgespräches“ sein. Dieser Motor stockt. Wenn das Schauspiel, wie Sie behaupten, kein Gesprächsthema ist, dann frage ich mich, ob es vielleicht einfach für Sie kein Gesprächsthema ist, weil Sie sich seit langem nicht mehr damit befassen. Haben Sie Angst davor, Ihre Meinung vielleicht revidieren zu müssen und meiden deshalb unsere Aufführungen?
Ohne Erfolg haben wir Sie zu unserer Podiumsdiskussion „Was geht uns die Kritik an?“ im November eingeladen. Ich möchte diese Einladung nun erneuern und würde mich auf eine inhaltliche Debatte mit Ihnen persönlich freuen.
Mit freundlichen Grüssen
Elias Perrig
From: Heim, Christoph [mailto:christoph.heim@baz.ch]
Sent: Wednesday, September 22, 2010 3:58 PM
To: Perrig Elias
Subject: Re: Offener Brief - Mit der Bitte um Veröffentlichung
Sehr geehrter Herr Perrig
Ich lade Sie ein, in der BaZ eine Replik auf meinen Kommentar zu schreiben. Bitte begründen Sie darin, warum meine Aussagen falsch sind, dass das Schauspiel nicht Stadtgespräch sei und dass die Publikumszahlen im Schauspiel stagnierten.
Ich treffe mich gerne mal mit Ihnen zu einem persönlichen Gespräch.
Mit freundlichen Grüssen
Christoph Heim
Von: "Perrig Elias"
Datum: 22. September 2010 16:12:27 MESZ
An: "Heim, Christoph"
Betreff: RE: Offener Brief - Mit der Bitte um Verö ffentlichung
Sehr geehrter Herr Heim
Es freut mich, dass Sie mir in der BAZ den Raum für eine Replik einräumen. Ich würde Sie bitten, meinen Brief als solche zu betrachten und abzudrucken. Ich denke, es wird daraus genügend deutlich, was ich sagen will.
Mit freundlichen Grüssen
Elias Perrig
http://www.facebook.com/topic.php?uid=120009098018162&topic=234