Komisch: Abgründe, Widersinn, Irritation, Zweifel, Aufklärung

"ein unterschied: vorrauseilend gut gelaunt ins theater #kuckucksnest #volkstheater", hatte ich samstagabend auf dem weg getwittert; die nachkritik dazu steht ganz im Sinne "einer langen Tradition des Generalverdachts gegenüber dem Lachen", wie es bei Alexander Horwath heisst - ich möchte gar nichts anderes, als ein ausführliches Zitat von jenem im Sinne einer Entgegnung zu posten - vielleicht fiele es dann leichter, auch "eine politische Tiefendimension in dieser Adaption" auszumachen, wie es in der Nachtkritik-Kritikenrundschau-Ankündigung süffisant vermerkt wird (und wie es wohl die sueddeutsche getan hat):

" „Fun ist ein Stahlbad", lautet die Losung in einem der brillantesten, einflussreichsten Texte des 20. Jahrhunderts. „Die Vergnügungsindustrie verordnet es unablässig. Lachen in ihr wird zum Instrument des Betrugs am Glück. ln der falschen Gesellschaft hat Lachen als Krankheit das Glück befallen und zieht es in ihre nichtswürdige Totalität hinein."
Was Theodor Adorno und Max Horkheimer in ihrer Analyse der Kulturindustrie — geschrieben in „Los Angeles, California, Mai 1944" — artikulieren, gehört nicht nur der Dialektik der Aufklärung an, sondern auch einer langen Tradition des Generalverdachts gegenüber dem Lachen (und dem allzu auffälligen Weinen) im Feld der Populärkultur. Die prophetische Vision dieses Buches ist nicht zu übersehen, die postmoderne Medienzivilisation und Spaßgesellschaft sind darin vielfach und durchaus plastisch vorgezeichnet. Gleichzeitig wirkt der Text, als wäre er selber von jenen Symptomen „befallen“, die er konstatiert: Die "Totalität der falschen Gesellschaft" bringt ein fundamentalistisches „Denken als Negation“ hervor, das kaum Sinn für die komplexeren Kräfte hat, die in der Unterhaltung wirken können: das Spiel, die Ironie, die List, die Auflehnungen des Alltags, die Strategien individueller Wunscherfüllung, die Freude an der Illusion und daran, sie gleichzeitig als Trug zu durchschauen“ (Klaus Kreimeier)
Zumindest im Alltagsgebrauch ist komisch nicht nur ein Begriff für das Lustige, sondern auch für das, was nicht zu „stimmen“ scheint, was nicht übereinstimmt mit den Angaben der herrschenden Ideologie. Das vorliegende Programm über „transgressive" US-Komödien ist dieser zweiseitigen Idee des Komischen gewidmet etwas, das Lachen macht und zugleich Abgründe, Widersinn, Irritation, Zweifel, Aufklärung bereithält."
(Alexander Horwath, “Komisch”, in: The Unquiet American - Transgressive Comedies from the U.S., Österreichisches Filmmuseum, Oktober 09)